Freiwillige Krankenversicherung für Selbständige – Vorsicht vor fiktivem Einkommen!

Viele Selbständige sind freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, weil sie kein Anhänger der PKV sind, nicht wechseln können oder andere Gründe haben. Doch eine freiwillige Krankenversicherung in der GKV kann auch große Beitragsrisiken nach sich ziehen, besonders wenn man mal in einem Jahr weniger verdient.

Was viele freiwillig Versicherte in der GKV nicht wissen

Wer im Monat durchschnittlich über der Mindestbemessungsgrundlage verdient, der hat das Problem die Beiträge rechtzeitig auf den realen Einkommensstand anzupassen. Viele gesetzliche Krankenkassen machen das unkompliziert, während andere sich weigern. Manche Kassen machen das erst nach Zusendung des letzten Einkommensteuerbescheids.

Diese Anpassung ist wichtig, da man laut Gesetzgebung KEINE ZU VIEL GEZAHLTEN BEITRÄGE ZURÜCKBEKOMMT!!! Das glauben viele nicht, ist aber in § 240 Sozialgesetzbuch (SGB V) und den Beitragsverfahrensgrundsätzen Selbstzahler (BVSzGs) so geregelt. Hat man zu viel Beiträge an die Krankenkasse gezahlt, obwohl man nach dem Einkommen weniger Beiträge hätte zahlen müssen, dann bekommt man diese Beiträge nicht zurück!!! Hat man allerdings aufgrund der Einstufung zu wenig bezahlt, dann fordert die Krankenkasse diese Beiträge auch Jahre später noch ein!!

Deshalb unser Tipp: Lieber zu wenig zahlen und dann nachzahlen, als zu viel bezahlen und nichts wieder zu bekommen!

Wer glaubt bei einer freiwilligen Krankenversicherung würden die Beiträge nach dem Einkommen bemessen, der irrt teilweise. Denn der Krankenkassenbeitrag für freiwillig Versicherte bemisst sich für die Zukunft anhand des letzten Steuerbescheides! Daraus können sich skurrile Situationen ergeben, besonders wenn man in zwei Jahren stark unterschiedliche Einkünfte hat.

Vorsicht Beitragsfalle! – die freiwillige Krankenversicherung

Beispiel: Im Jahr 2011 hat man ein für die Krankenkassen relevantes Einkommen von 45.000 Euro und erhält den Steuerbescheid im März 2013, dann zahlt man ab April 2013 den Höchstbetrag für die gesetzliche Krankenkasse. Wenn man in 2013 aber schlecht verdient und nur 15.000 Euro an Einkommen hat, dann zahlt man trotzdem den Höchstbeitrag! Dass sind über 680 Euro inkl. Pflegeversicherung. Macht man jetzt den Fehler und passt den Beitrag nicht rechtzeitig bei der Krankenkasse an (soweit bei manchen überhaupt möglich), dann zahlt man zuviel Beiträge. Und die erhält man nicht zurück!

GANZ WICHTIG: der Einkommensteuerbescheid muss spätesten 1 Monat nach der Ausstellung des Finanzamts der GKV zugehen!

Warum das wichtig sein kann? Ganz einfach, wenn der Bescheid später eingeht, dann gilt der Monat, an dem der Bescheid eingeht. Wenn man sich im obigen Beispiel nicht drum kümmert den Bescheid einzureichen, es aber geschafft hat den Beitrag ab ca. Mai 2013 auf die Mindestbemessungsgrundlage von 2013 in Höhe von 2178,75 Euro anzupassen, dann kann das richtig teuer werden.

Fortsetzung des obigen Beispiels: Man hat im Jahr 2011 Einnahmen von 45.000 Euro und erhält den Bescheid im März 2013. Man hat aber bereits im April 2013 die Beiträge auf das Minimum (sind trotzdem etwa 370 Euro) herabsetzen lassen, weil klar war, dass 2013 ein schlechtes Jahr wird. Wer jetzt den Steuerbescheid für 2001 nicht innerhalb eines Monats zusendet sondern sich Zeit lässt, der kann Probleme bekommen.

Nehmen wir mal an, man sei im irrigen Glauben, die Höhe der Beiträge in der freiwilligen Krankenversicherung für Selbständige bemesse sich nach dem Einkommen (und das ist in 2013 ja niedrig) und glaubt mit der Herabsetzung der Beiträge alles richtig gemacht zu haben, ohne den Bescheid zuzusenden, macht einen großen Fehler. Durch Stress oder Unwissenheit sendet man den 2011 Bescheid vom März 2013 erst im Februar 2014 zu, dann wird der Beitrag auf Basis des Bescheids von 2011 zurückgerechnet. Und zwar ab dem Monat nach dem Ausstellungsdatum, im Beispiel ab April 2013. Da man aber aufgrund des niedrgen Einkommens 2013 den Beitrag auf das Minimum gesenkt hat kommt jetzt die böse Überraschung!

Die Krankenkasse setzt jetzt anhand des 2011 Einkommens den Beitrag auf das Maximum fest und zwar ab April 2013 und berechnet den für den Zeitraum bis zum Monat nach Eingang des Bescheides. Hier also von April 2013 bis März 2014 und weil man da wegen des niedrigen Einkommens den Minimalbeitrag bezahlt hat, muss man dann ca. 300 Euro im Monat von April 2013 bis März 2014 nachbezahlen, was etwa 3600 Euro sind! Und der Beitrag wird ab sofort auf das Maxmum angehoben. Wenn man 2014 dann immer noch schlecht verdient, bekommt man echte Probleme. Die Zusendung des Bescheides für 2013 ist dann sinnlos, denn man bekommt keine Beiträge zurück, obwohl man nachweisen kann, dass man ja nur 15.000 Euro in 2013 verdient hat!

Wer aus Unwissenheit den Bescheid noch später zusendet, für den verlängert sich der Nachzahlungszeitraum auf den Monatsanfang nach Einsendung. Bei einem Bekannten, der aufgrund der Unwissenheit und persönlicher Probleme den Bescheid 2011 erst im November 2015 zusammen mit 2012 und 2013 eingesendet hat, muss jetzt von April 2013 bis Dezember 2015 eine Nachzahlung von 8600 Euro zahlen, obwohl er nicht einmal ein Einkommen in Höhe des Mindestbeitrages hatte. Das führt dazu, dass er mehr Krankenkassenbeiträge für die drei Jahre im Monat zahlen muss, als er Einnahmen hatte! Unfassbar, aber wahr!